Beim Krimispiel der Theatermanufaktur Büdingen ist Detektivarbeit gefragt

Von Monika Eichenauer
Erschienen am 09.04.2019 um 12:00 Uhr im Kreis Anzeiger

Die Theatermanufaktur Büdingen landet mit Krimispiel "Soko-Szenario - Der Fall des Robert M." einen Erfolg.
Dabei werden die Teilnehmer zu Ermittlern.

"Man kommt richtig ins Grübeln." Familie Pins hat großen Spaß an den detektivischen Ermittlungen in Büdingen. Die Theatermanufaktur landet mit dem Krimispiel "Soko-Szenario - Der Fall des Robert M." ein Erfolg. Foto: Eichenauer

"Man kommt richtig ins Grübeln." Familie Pins hat großen Spaß an den detektivischen Ermittlungen in Büdingen. Die Theatermanufaktur landet mit dem Krimispiel "Soko-Szenario - Der Fall des Robert M." ein Erfolg. Foto: Eichenauer

BÜDINGEN - Spannend! Kurzweilig! Amüsant! Sehr originell! Das sind Attribute, die etwa 20 Teilnehmer, oder besser gesagt die Soko-Crew, dem ersten Krimispiel der Theatermanufaktur zuschreiben. Und in der Tat: Die Premiere ist gelungen. Die Gruppe ist in vier Ermittlungsteams aufgeteilt, um herauszufinden, wie die fiktive Figur Robert Müller ums Leben kam. Gefunden hat die Leiche der Jagdpächter Lutz Ebert (Bernd Berger) am Sandsteinbruch. Aber war es ein Unfall? War es Selbstmord, wovon die Polizei ausgeht? Oder doch Mord? Gefragt ist jede Menge Kreativität bei den Fragen, gemeinsames Nachdenken und Kombinieren in den Soko-Gruppen, um zu einer schlüssigen Lösung zu kommen.

Beauftragt werden die Detektive von Erika Müller (Alexandra Rinösl), der ersten Frau des Opfers und Mutter seiner zwei Kinder. Sie glaubt nicht an Selbstmord und instruiert die Ermittler, die wahren Tatumstände herauszufinden. Sie braucht Gewissheit, weil sie ihn immer noch liebt, wie sie auch im weiteren Verlauf immer wieder bekennt. Aber so ganz uneigennützig ist die Angelegenheit nicht, wie sich herausstellt, denn bei Selbstmord würde ihr - eigentlich ihren noch unmündigen Kindern - nicht die Lebensversicherung über 200 000 Euro ausgezahlt.

Ihren Ausgang nimmt die Suche am Jerusalemer Tor, wo die Detektive von der verzweifelten Erika Müller informiert werden, um was es geht. Dort werden sie auch mit den nötigen Utensilien ausgestattet: Die Teilnehmer bekommen eine Lupe, ein Handy, ein Klemmbrett, Papier, Stifte, Informationen zu Stationen, wo sie Zeugen finden, und einen Stadtplan.

Die Zeugen sind Annegret Bäcker (Sylvia Oster), Inhaberin eines Friseurgeschäfts und geschwätzige Nachbarin von Robert Müller und seiner zweiten Ehefrau Karola, Lutz Ebert, Immobilienmogul und derjenige, der die Leiche am Morgen gefunden hat, Erika Müller und Jürgen Rösler (Johannes Roos), Roberts Freund seit Jugendtagen, und - nur am Telefon - Karola (Jasmin Fernau-Kolb), die nach dem Tod ihres Mannes nach Münster zu ihren Eltern gefahren war. Annegret Bäcker wird vor ihrem Friseurladen angetroffen, Lutz Ebert am Gebück, Erika Müller wartet auf ihre Kinder an der Musik- und Kunstschule und der mürrische Rösler, der unzweifelhaft ein Auge auf Kornelia, Pharmazeutin und Inhaberin einer Apotheke, geworfen hat, hockt schlecht gelaunt in einer Kneipe. Die vier Gruppen gehen die Stationen in unterschiedlicher Reihenfolge ab, um die Zeugen ungestört verhören zu können. Frau Bäcker spricht von einem lautstarken Streit des Ehepaars Robert und Karola am Abend vor dem Tod, Herr Ebert hat ganz wenig Zeit, Erika Müller gibt nur verhalten Auskunft, und Rösler glaubt nach dem Ehestreit, von dem ihm sein Freund erzählt hat, fest an einen Selbstmord.

Jede Figur hat ihre eigene Biografie und alle befinden sich in einem von der Theatermanufaktur gut gestrickten Beziehungsgeflecht zu Müller und untereinander. "Die Figuren sind prima ausgearbeitet, die Rollen sind super gespielt", lobt Simon Pins kurz vor dem Showdown an der Markthalle. Die Akteure sind fest verankert in ihren Biografien und können dennoch gut improvisieren, denn sie wissen nicht, welche Fragen auf sie zukommen. Die Detektive müssen durch jede Menge Fragen den Zeugen möglichst viele Informationen entlocken und kombinieren, was wie zueinander liegen könnte und wie es war mit dem Tode Robert Müllers. Dabei merken alle Soko-Gruppen, dass es gar nicht so einfach ist, die richtigen Fragen zu stellen oder auf einer Fährte zu bleiben. Zudem sind zwei merkwürdige Handynachrichen in ihre Nachforschungen einzubeziehen. Des Rätsels Lösung wird an dieser Stelle freilich nicht verraten.

"So eine spannende Geschichte erlebt man nicht alle Tage", sind sich Simone und Oliver Langlitz aus Stockheim und Christina Drescher aus Lorbach am Ende einig. Sie hatten mehr Theaterszenen erwartet, aber "man muss stattdessen selbst tätig werden, das ist sehr gut und kurzweilig". Viel Spaß am Krimispiel hat auch Familie Pins aus Büdingen und Darmstadt: "Man kommt richtig ins Grübeln, welche Fragen man stellen kann, um weiter zu kommen und zu kombinieren."

Wer sich gerne in der Büdinger Altstadt als Detektiv betätigen möchte, hat dazu bei einer öffentlichen Soko-Tour am 14. September Gelegenheit. Gebucht werden kann das Krimi-Spiel jedoch jederzeit. Es eignet sich gut für private Gruppe oder Firmenveranstaltungen. Nähere Informationen gibt es in der Tourist-Information (Marktplatz 9) unter der Telefonnummer 06042/ 96370 sowie per E-Mail an mail@buedingen.info.


Unser Pressebericht für das Projekt "Hitzeperiode" vom Kreis Anzeiger:


Der genaue Wortlaut hier zum mitlesen:

BÜDINGEN - (co). "Warum trainieren wir eigentlich regelmäßig, wenn wir doch immer wieder Kuchen essen?", fragt Brigitte (Gita Berger) ihre Freundinnen Veronika und Anne (Sylvia Oster und Alexandra Rinösl). "Wir trainieren doch, damit wir wieder Kuchen essen können", lautet Annes trockene Antwort. Die drei Frauen von der Theatermanufaktur präsentieren zum großen Amüsement der zahlreichen Gäste im ausverkauften Perdestall des Kulturzentrums Oberhof in der Komödie "Hitzeperiode" die komischen Seiten des Klimakteriums, "für Männer und Frauen", wie sie zwischendurch betonten.

Mit von der Partie ist Bernd Berger, der als Mediziner "mit Tick" - ob als Anzeichen des Alterns, sei dahin gestellt - die rein biologischen Ursachen der Wechseljahre in kurzen Passagen vorträgt. Eingeladen zu diesem witzigen Abend hat der Kulturkreis in seiner Reihe "Immer wieder sonntags".

Das Publikum ist an diesem Abend in dem Alter, das die Auswirkungen der hormonellen Umstellungen des Klimakteriums durchaus kennt, kann mit den drei Frauen fühlen und spart nicht mit herzhaftem Lachen und Applaus. Auch die Männer im Pferdestall amüsieren sich köstlich, sind ihnen die Gemütszustände der Frauen wohl auch nicht unbekannt.

Die drei Darstellerinnen, allesamt schon lange auf der Bühne aktiv - Sylvia Oster auch als erfahrene Regisseurin -, haben als Brigitte, Veronika und Anne handfeste Lebenserfahrungen mit vielen Widrigkeiten und mit ihren Männern hinter sich und nun auch noch mit Gewichtszunahme, weniger "Lust auf die Lust", immer mehr Falten und heftigen Gefühlsschwankungen zu kämpfen. Zudem kommt bei Veronika der Verdacht auf, dass Wolfgang, ihr Ehemann, eine Affäre hat. Das ist Thema bei jeder Szene, alle möglichen Beobachtungen und Handynummern liefern scheinbar Beweise, oft an den Haaren herbeigezogen. Die drei Damen diskutieren ausführlich darüber, es ist einfach köstlich.

Die einzelnen Szenen sind prima herausgearbeitet und kommen gänzlich ohne Kulisse aus, denn Spiel, Outfit und Requisiten sind klasse. Zuerst kommen die drei in neonfarbenen Fitnessstudio-Klamotten und Schlabberlook auf die Bühne, sind am Trainieren mit Expander und Hanteln oder machen Gymnastik und unterhalten sich dabei pausenlos über die Schattenseiten des Älterwerdens. Auf Annes Hinweis, dass Veronika Wolfgang mit Dessous zurück gewinnen könne, meint diese nur lapidar: "Nichts, in das ich hineinpasse, hat den Namen Dessous verdient."

Dann eine Szene, in der das Trio im Café sitzt und Torte essend weiter über das Leben und Wolfgangs mögliches Gspusi sinnieren. Mal die eine mitfühlend, mal die andere bissig. Richtig schrill wird es, als sie in Bademänteln, mit Badelatschen und Bademütze auf die Bühne treten und eine Situation im Schwimmbad spielen.

Und zwischen den Szenen die naturwissenschaftlichen Erklärungen für diesen Gemütszustand, den jede Frau mehrere Jahre durchmacht - manche mehr, manche weniger. Und manche Männer ebenfalls...

 


Pressemeldung vom Regierungspräsidium Gießen

19.12.2016
Büdingen. Der Speisesaal der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (EAE) in Büdingen wurde am vergangenen Wochenende (15. Dezember) kurzzeitig zu einem "Schauspielhaus" umfunktioniert. Die Theatermanufaktur Büdingen präsentierte dort ihr Stück „Tierische Weihnacht“. Vor allem die in der Einrichtung untergebrachten Kinder fanden zusammen mit ihren Eltern früh abends den Weg zur Aufführung. Etwa 150 Zuschauer kamen zusammen und füllten den vorbereiteten Theaterraum. Die „Tierische Weihnacht“ sorgte dabei für viele strahlende Augen.

So konnten Michael Sauerwein (Leiter der EAE in Büdingen) und Isidro Perez (Betriebsleiter des Sozialdienstes der Malteser in der EAE-Büdingen) nicht nur die vielen Zuschauer zu Beginn der Veranstaltung begrüßen, sondern sich auch am Ende des Stücks unter großem Applaus der Gäste herzlich bei den Schauspielern bedanken. Die Freude über eine durchweg gelungene Veranstaltung war sehr groß. Insbesondere, als der Kinderchor der EAE-Büdingen während des Theaterstücks zusammen mit den Akteuren in den hellsten Tönen das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum“ anstimmte. 

Im Stück treffen Kröte, Ratte, Spinne und Fledermaus in einem Keller aufeinander. Alle vier sind vor den Menschen geflohene und grundsätzlich eher unbeliebte Tiere. Sie müssen während der Vorführung lernen, sich zu akzeptieren und ihren Zufluchtsort zu teilen. Die Ratte (gespielt von Malteser-Mitarbeiterin Gita Berger) fühlt sich schon als Chef in ihrem Revier und toleriert zunächst geradeso Spinne (Mareen Oster) und Fledermaus (Jasmin Fernau-Kolb). Als die drei die Kröte (Jörg Grunewald) entdecken, fällt es ihnen zunächst schwer, mit diesem für sie komischen Tier klar zu kommen.

Schließlich raufen sie sich alle zusammen – auch weil ein merkwürdiges Fest ansteht, das die Menschen „Weihnachten“ nennen. So wollen auch die Tiere eine Feier organisieren. Doch was ist eigentlich Weihnachten? Und was braucht man alles dazu? Auf jeden Fall einen Baum, Musik und Plätzchen. Aber die Tiere lernen auch, was noch wichtiger ist: Liebe, Harmonie, Geborgenheit, Familie und Freunde.

„Ein Werte vermittelndes Theaterstück, das nicht nur für Flüchtlingskinder geeignet ist", findet Standortleiter Sauerwein. "Wir sind daher der Theatermanufaktur-Büdingen sehr dankbar, dass die Aufführung in unserer Unterkunft möglich gemacht werden konnte“.

 

 

     
   
     


Kreis Anzeiger vom 29.11.2016

PREMIERE Theatermanufaktur spielt im Oberhof „Tierische Weihnacht“ / Geschichte um Herbergsgesuche und Frieden auf Erden

BÜDINGEN - (mü). Mit dem Kindertheaterstück „Tierische Weihnacht“ hat die im März gegründete Theatermanufaktur Büdingen im Pferdestall des Kulturzentrums Oberhofs eine gelungene Premiere gefeiert: Vor begeistertem jungen Publikum versuchten die kluge Ratte (Gita Berger), die halbblind durch die Gegend tastende Fledermaus (Jasmin Fernau-Kolb), die graziös mit vielen Armen hantiernde Spinne (Mareen Oster) und die grün und braun bewarzte Kröte (Jörg Grunewald) herauszufinden, was es mit dem Weihnachtsfest auf sich hat.

Als Ausgestoßene der menschlichen Gesellschaft waren sie dabei der Geschichte um Herbergssuche und Frieden auf Erden näher, als sie dachten: Die Ratte musste aus der Speisekammer flüchten, der Spinne wurden die Netze zerstört und die Familie vom Staubsauge verschluckt, die Fledermaus verlor ihre wohlverdiente Winterruhe, die Kröte ihren geliebten Schlafplatz – und ob man im Keller ein neues Zuhause finden würden, wo sich die Ratte bereits häuslich niedergelassen hatte, erschien zu Beginn des einstündigen Theaterstücks mehr als fraglich.

Gebannt verfolgten die Kinder die Entwicklung von Antipathie und Sympathie unter den vier Protagonisten, die zarte Liebe zwischen Ratte und Spinne, den gemeinsamen Aufstand gegen die Kröte und die Einsicht, dass man nur mit Solidarität untereinander doch noch zu einem friedlichen Weihnachtsfest gelangen könne. Immer wieder wurden die Mädchen und Jungen einbezogen – so bei der Frage nach dem Inhalt von Weihnachten und dem korrekten Absingen des Liedes „O Birkenzweig, o Spinnenbein“, den besten Geschenken und dem Baumschmücken. Dank des ausdrucksvollen Spiels des Quartetts, das unter der Regie von Sylvia Oster agierte, den liebevoll gestalteten Kostümen und zahlreicher kindgerechter Pointen gab es viel zum Bewunden, Lachen und Mitmachen, sodass nicht nur die kleinen, sondern auch die erwachsenen Zuschauer zum Abschluss begeistert applaudierten.